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KRITIKEN


AIDA

Erleuchtung garantiert
Wieviel Triumphmarsch braucht "Aida"? Peter Konwitschnys geniale Verdi-Deutung am Grazer Opernhaus
von Frederik Hanssen

...Theatergeschichte hat vor allem die "Aida" geschrieben, die der Regisseur auf kompromisslos konsequente Weise von ihrem Image als Spektakeloper befreite. Jörg Koßdorff, sein Bühnenbild-Partner in allen Grazer Neuinszenierungen, hat ein enges, weiß getünchtes Zimmer gebaut, in dem sich eine tödliche Dreiecksgeschichte abspielt. Konwitschny zeigt nur das Kammerspiel - Chor, Statisten und Elefanten müssen draußen bleiben. Durch eine Tür dringt der Triumphmarsch ans Hörerohr, zu sehen aber bekommt er nur den Pharao, seine Tochter und den Oberpriester, die zu den pompösen Klängen mit Sekt und Faschingshütchen den Sieg über die Äthiopier feiern. Aida, die Sklavin, muß am Ende die Reste der Orgie wegfegen. Dazu erklingt unter der Leitung des Grazer Chefdirigenten Wolfgang Bozic die abgenudelte Leierkastenmusik schärfer, marzialischer, beängstigender, als man sie wohl je gehört hat.
In Momenten wie diesem offenbart sich Konwitschnys Stärke: Seine Bilder helfen, die Partitur neu zu hören, durch den Vorhang der Tradition wieder das Original zu erkennen. Der Sohn des Dirigenten Franz Konwitschny entwickelt seine Konzepte, indem er gleichermaßen auf die Töne wie die Worte hört. Die Ergebnisse dieser Recherche muten nur dem oberflächlichen Betrachter "modern" an - wer sich auf sie einlässt, findet Werktreue im produktivsten Sinn...

DER TAGESSPIEGEL, 5. Juli 2001


Unbeirrbare Liebe zur Musik und zum Theater
An der Grazer Oper plädieren Gerhard Brunner und Peter Konwitschny für "Giuseppe Verdi - Un uomo di teatro"
von Horst Koegler

. . .Die beiden verbindet eine Art Geistesbruderschaft, und sie gründet auf ihrer unbeirrbaren Liebe zur Musik und zum Theater, basierend auf einer gründlichen Analyse und Befragung nicht nur der Libretti der aufzuführenden Werke, sondern auch der Noten auf ihre aktuelle Botschaft. Die aber geht...in ihrer Radikalität.. .bis zur Hereinholung der aktuellen Gegenwart durch Öffnung der Brandmauern bis zu einem Durchblick auf die angrenzende Straße und ihren Verkehr. Das geschieht bei allen Exzessen - und Konwitschny ist alles andere als ein realistischer Regisseur, eher ein Expressionist par excellence - ohne Verletzung der musikalischen Substanz, sodass man ihm schließlich sogar den Verzicht auf jegliche Bühnenpräsenz des Chors in..."Aida"...abnimmt...

Wie denn auch die absolute Stimmigkeit, die Übereinstimmung von Musik und Szene das Signum des Grazer Verdi-Stils ist...

STUTTGARTER ZEITUNG,6. Juli 2001


GRAZ
By Horst Koegler

Aida concluded a weekend of special events, including a conference, "Giuseppe Verdi -- Un uomo di teatro" (A man of the theater), attended by scholars and journalists from all over Germany plus America, Oxford and Moscow; a lavish supplementary program (including Schoenberg's cabaret songs); and Konwitschny's productions of three Verdi operas, Macbeth, Falstaff and Aida. (Falstaff, Verdi's own farewell opera, was staged with many references to the end of the Brunner era.) It was a moving occasion, and everybody present seemed convinced that the weekend marked the climax of the Verdi anniversary.

There may have been greater individual Verdi performances elsewhere, with more famous conductors and stars, in more lavishly decorated productions -- but I very much doubt that any other opera house would be able to perform these difficult works on three consecutive nights at such exalted ensemble standards, and to present them as thrilling, up-to-date theatrical events...

OPERA NEWS,October 2001


Das Ende mit Aida.
Dernière in Graz: Konwitschny bei Gerhard Brunners Abschied

Verdis "Aida" - die letzte Schlacht geschlagen, auch gewonnen, nur den Triumphmarsch verloren. Das notorisch martialische Chorjubelspektakel ist von der Bühne verschwunden, nur musikalisch bleibt es aktiviert, ertönt hinter der Szene. Auf derselben aber begibt sich ein beschwipstes Kammerspiel: Der Oberpriester, der König und seine Tochter feiern den Sieg, und die drei betrinken sich hemmungslos, während Verdis Chormärsche aus dem Off erklingen. Es regnet Konfetti und Luftschlangen, die Souffleuse wird zum Mittrinken animiert. Im Saal geht plötzlich das Licht an, die Siegesfanfaren des Marschs schallen von oben in den Raum, das Publikum tobt.

Seit der Frankfurter "Aida" von Hans Neuenfels (1981) hat man das Stück nicht mehr so radikal auf den Punkt gebracht gesehen, so revuehaft, reduziert, wie hier im Opernhaus von Graz. Der Regisseur: Peter Konwitschny; die Premiere: November 1994. Augenzeugen berichten, die Aufführung damals habe kurz vor dem Abbruch gestanden, so verstört, aggressiv habe das Publikum reagiert. Heute findet es allen Grund zum Jubel, nicht nur über diese allerletzte Auffühung. Denn Konwitschnys drei Grazer Verdi-Inszenierungen zum Ende der Ära von Opernintendant Gerhard Brunner machen noch einmal deutlich, was in elf Jahren in Graz stattgefunden hat. Der...gebürtige Kärntner...war für das Theater ein Glücksfall, wie sich in dem Jahrzehnt zunehmend herausschälte...

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 4. Juli 2001


Shades of Kafka in Year of Verdi
Saying Farewell in Graz
By David Stevens

...The Verdi festival consisted of three productions... They would certainly have enraged audiences in Paris, Milan or New York, but the Graz public had almost nothing but enthusiastic approval for all three..
"Aida," normally a grand spectacle of Egyptian military might, was converted into an indoor opera. The single set was a room with a couch and one door for comings and goings. All the individual confrontations took place here and the chorus and stage band were heard but only fleetingly seen, operating from the back of the stage. For the final scene of the entombment of Aida and Radames the sets disappeared and the ill-starred lovers met their fate in the dark depths of the open stage...
...Sylvie Valayre was impressive as the housemaid Aida...

INTERNATIONAL HERALD TRIBUNE, July 18, 2001




AIDA - WIENER FESTWOCHEN 2003, THEATER AN DER WIEN


Zerstört wird nur der Plüschelefant
von Gert Korentschnig

...sondern kommen wir zu dem Wesentlichen: Einem theatralisch hinreißenden Opernabend, den man in dieser Intensität selten zu spüren bekommt und der Vorfreude auf weitere Konwitschny-Arbeiten macht...
Konwitschny, von der Zeitschrift Opernwelt fünf Mal zum Regisseur des Jahres gewählt, ist nämlich das Gegenteil eines Opern-Berserkers, der jedes Werk nur zu seinem eigenen macht. Er ist Analytiker, der sich über oberflächliche Betrachtung hinweg mit Herz, Seele und viel Verstand so tief in die Oper stürzt, dass er nicht anders kann als zu neuen Schlüssen zu kommen. Er kratzt von der Fassade die jahrzehntelang aufgetragenen Übermalungen ab und legt die Grundmauern frei. Dann erst stellt er seine Personen hinein, die er zu führen versteht wie kaum ein anderer.

KURIER, 10. Juni 2003


Aida, eine Riesenhetz
von Karlheinz Roschitz

Aida zwischen Beckett'scher Entleerung und einem schrillen Studentenulk! Regie-Provokateur Peter Konwitschny hat für die Wiener Festwochen im Theater an der Wien seine Aida herausgeputzt, die er 1994 für die Grazer Oper konzipiert hat. Was damals als Skandal schockierte, wurde zum Erfolg. Ovationen!

KRONEN ZEITUNG, 10. Juni 2003


Der Besuch der alten Sofa-Dame
von Ljubiša Tošic

Er hat auch innerhalb der als opulent gebrandmarkten Oper eine Entrümpelungsaktion durchgeführt, hat allen Prunk weggelassen, die Massen verbannt, und nirgends kommt das Flair eines klobigen, palmengeschmückten Sandalenfilms über das alte Ägypten zum Vorschein.
Nur ein weißer, schuhschachtelartiger Raum wird aufgeboten im Theater an der Wien. Nur das berühmte weiße Sofa, mit einem roten Tuch bedeckt, bietet Halte- und Sitzgelegenheit. Konwitschny setzt auf Reduktion und konzentriert sich auf die Beziehungen der Figuren untereinander, zeichnet deren Gefühls- und Konfliktleben nuanciert nach.

DER STANDARD, 10. Juni 2003


"… superb Personenregie."

Christopher Noton-Welsh, OPERA, September 2003





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