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Die lange Nacht der Kunstflaneure
von Sabine Henkel

Die Höhepunkte jagen einander. Vor der Alten Nationalgalerie gibt das U-Theater aus Taiwan mit "The Sound of Ocean" eine Kostprobe seiner atemberaubenden Tanz-, Musik- und Schauspielkünste.

DIE WELT, 30. September 2003


Trommeltanz

Asiatische Trommeln? Gespielt in choreographischer Schlagkraft und höllischem Lärm? Na, das erinnert den geneigten Kulturkonsument doch gleich an die japanischen Meistertrommler von Yamato, die im Februar in Berlin gastierten. Doch das U-Theater kommt aus Taiwan und ist erstens älter als die japanische Truppe und zweitens anders. Hier gibt es weniger phonstarkes Trommelfeuer, dafür Mut zur meditativen Stille. Und Stille ist ja, wie der deutsche Regiestar Michael Thalheimer gesagt hat, das Provokativste im Theater. Und dann kann die Stille perlen, wie Wassertropfen im Meer des Schweigens. Bis es wieder Bums macht.

ZITTY BERLIN, 2. September 2003


Gongs und Trommeln

Die Magie des Meeres. Die unergründliche Tiefe des Ozeans. Wasser als Lebenselixier und Energiequelle. Seit sechs Jahren beschäftigt sich das U Theater aus Taiwan mit den Geheimnissen aus Tropfen, Strömen und Wellen. "The Sound of Ocean" heißt das Erfolgsstück der 15 Musiker, Tänzer und Schauspieler. In Brasilien, Frankreich, Spanien, Italien, England und Norwegen hat es schon Furore gemacht. Jetzt ist es in Berlin zu erleben. Im Jahr 1988, als in Taiwan der Ausnahmezustand aufgehoben wurde, entstand das U Theater als erstes professionelles Schauspielensemble des Landes. …Zwei Jahre lang durchwanderten sie die Insel Taiwan, um sich von Dorfritualen und den Tänzen der Ureinwohner on den Bergen inspirieren zu lassen. Sie sehen sich als Laienmönche, die mit Trommeln, Gongs und Klangschalen der spirituellen Kraft und Sinnlichkeit der Naturgewalten nachspüren. Meditative Stille und atemberaubende Rhythmen übertragen sich abwechselnd aufs Publikum.

BERLINER MORGENPOST, 4. September 2003


Der absolute meditative Gleichklang der Individuen ist beeindruckend – wie menschengemachte Rhythmusmaschinen erzählen die 15 Akteure aus Taipeh um Meisterschlagzeuger Chee-mun Wong vom Wasser des Lebens, die sich aus dem Klang der Zither schließlich in einen Trommel-Strom vereinigen, der wiederum einen mächtigen Fluss bildet und schließlich im Ozean des Riesengongs mündet. Man muss das taiwanesische Trommelfeuer schon sehen, um es nicht mit mutwilligem Gestompe zu verwechseln. Denn vom 1988 begründeten U-Theater werden im "Sound of Ocean" uralte Traditionen des chinesischen Theaters mit Meditationstechniken, Tai Chi und Kampfkunst-Gebärden zu einem spirituellen Gesamtkunstwerk verwoben. Der Zuschauer wird mitgerissen in den ewigen Strom des Lebens - und wenn zum Schluss das "Om" gesungen wird, und die Riesentrommel auf dem Holzpodest von zwei Männern im Spagat traktiert wird, sind längst alle Sinne auf Seelen-Wanderschaft gegangen. Solche große Kunst wird dann stehend bejubelt.

INFO RADIO BERLIN, 5. September 2003





U-THEATRE
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